"Wo gibt es denn Ihr Buch?" Eine Siebtklässlerin der Friedrich-Ebert-Realschule war so begeistert von dem Roman "Das Tor zum Garten der Zambranos", dass sie das ganze Buch lesen wollte. Gudrun Pausewang, die kürzlich ihren 80. Geburtstag feierte, war eingeladen worden, aus ihren Werken zu lesen. Ca. 60 Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse der Realschule folgten ihrem lebendigen Vortrag gebannt.
Zu Beginn der Lesung erzählte Gudrun Pausewang von ihrem Leben, ihrer Schulzeit zur Zeit des Nationalsozialismus, der langen Flucht zu Fuß, die sie aus dem damaligen Böhmen über 800 km nach Niedersachsen führte.
Nach dem Abitur und dem Pädagogikstudium erfüllte sie sich ihren Jugendtraum, nach Südamerika zu gehen. Sie arbeitete viele Jahre als Lehrerin in Chile, Venezuela und Kolumbien. Viele ihrer Bücher spielen in diesen Ländern.
Die Zeit in Kolumbien war besonders eindrucksvoll, obwohl die Lebensverhältniss in diesem Land härter waren als in Chile oder Venezuela. Viele ihrer Geschichten und Romane sind in Kolumbien angesiedelt, auch wenn dies im Text nicht ausdrücklich gesagt wird.
"Das Tor zum Garten der Zambranos" erzählt von dem Schicksal des Straßenkindes Angelito, das in unvorstellbaren Lebensbedingungen lebt, die so ganz anders sind als die von Kindern bei uns. Angelito wird von den reichen Zambranos als Spielkamerad ihres Sohns Gregorio ins Haus geholt. Aber sie können ihn auch wieder wegschicken.
Die Schülerinnen und Schüler waren gefesselt und hatten anschließend eine Fülle von Fragen, die Frau Pausewang in ihrer freundlichen, liebevollen Art beantwortete. Man merkte, sie nimmt alle ihre Leser und Zuhörer ernst.
Am Abend vorher hatte sie in der Stadtbücherei Hürth "Ernstes und Heiteres - so wie das Leben" für Erwachsene vorgelesen. Das Werk von Gudrun Pausewang, die vielen ja vor allem durch den verfilmten Roman "Die Wolke" bekannt ist, beschränkt sich eben nicht nur auf Jugendliteratur. In den ersten zehn Jahren ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hat sie sogar ausschließlich für Erwachsene geschrieben.
In einer Geschichte aus "Ich war dabei - Geschichten gegen das Vergessen" wurde erzählt, wie eine Lehrerin die Vorlesestunde mißbraucht, um antijüdische Gefühle zu wecken.
Aber es gab auch Heiteres. Fünf Enkel versuchen ihren Großvater zum Geburtstag mit einem eigenen Gedicht in einer Zeitungsanzeige zu erfreuen. In einer munteren Diskussion prallen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander und auch der Zwang zur Kürze tut das Seinige.
Manchem mögen Pausewangs Bücher zu "pädagogisch" sein. Sie zeigte aber glaubwürdig, dass sich ihr Eintreten für Frieden und Umweltschutz und gegen den Nationalsozialismus auf persönlichen Erfahrungen und guter Beobachtung gründet. Zum Abschluss signierte sie einige ihrer Bücher. So konnte man ein besonderes Erinnerungsstück an diesen eindrucksvollen Abend mit nach Hause nehmen.